​​Lange bevor die erste Zeitrechnung began, regierte der Götterfürst über alles was war und alles was sein würde.
​Unterstützt wurde er von seinen Kindern, derer er 12 sein eigen nannte und die ihre ganz eigenen Ideen in die Schöpfung
​haben einfließen lassen. So erfreuten die Sterblichen sich seither an Jahreszeiten,
​an Wetter, an Tag und Nacht und so manch anderer Annehmlichkeit.
​Es gab mehr als genug zu trinken und mehr zu essen, als sie je hätten ernten können.
​Es war das Zeitalter des Überflusses und des Friedens.
​Es gab keinen Grund sich zu streiten, es gab keinen Grund für Krieg.

​Und es war, als würde diese Zeit eine Ewigkeit anhalten, da erhob sich der Götterfürst und blickte herab.
​Er erfreute sich dem Treiben seiner Schöpfung und er blickte voller Stolz auf seine Kinder, zu denen er nun
​das Wort richtete:

​"Meine Kinder, ich bin alt. Ich bin bereits seit dem Anbeginn von allem hier.
​Ihr habt so viel aus meiner einfachen Schöpfung gemacht. Ihr ward es, die allem Farbe und Freude gab.
​Vor allem aber habt ihr eins: Mich sehr stolz gemacht, so wundervolle Kinder mein eigen zu nennen.
​Ich bin nun schon so lange hier und ich bin des Seins müde geworden, daher habe ich beschlossen,
​dass es Zeit ist für mich zu gehen.
​Ich weiß, dass ihr die Schöpfung genau so liebt wie ich und das ihr sie versteht.
​Ich werde mich nun zur Ruhe begeben und vertraue euch dies alles an.
​Wisset wohl, dass ich euch liebe und ich immer ein Teil von euch sein werde.
​Gehabt euch wohl und gedenkt meiner mit einem Lächeln"

​Seine Söhne und Töchter blickten ihn erschrocken an und der erste wollte bereits
​seine Stimme erheben um etwas zu erwiedern, da schloss der Götterfürst die Augen.
​Sein Körper begann zu leuchten und löste sich in feinen, aber farbenfrohen Staub auf.

​In den schier endlosen Hallen, der Götter echoten noch die Worte des Götterfürsten nach und die ersten
​Tränen seiner Kinder hatten noch nicht mal die Augen gefüllt, da trat der Älteste vor seine Geschwister.
​Er blickte zu Ihnen und sein Blick war entschlossen.
"Meine geliebten Schwester und Brüder, unser Vater hat uns verlassen.
​Als der Älteste unter uns, ist es nun an mir die Lücke zu füllen, die er hinterlassen hat..."
​Er kam nicht mal dazu, seine Ansprache zu beenden, da traf ihn der zornige Blick seines Zwillings.
​"Vaters Worte sind noch nicht mal verklungen und seine Asche hat noch nicht mal den
​Boden berührt und du greifst bereits nach dem Thron?"
​Wildes Gemurmel in den Hallen kam auf.
"Wir zwei, wir sind gleich alt, wenn dann stünde es uns gemeinsam zu,
​aber keiner von uns beiden ist dafür geeignet!"
​"Das stimmt" mischte sich eine weibliche Stimme ein: "Wenn jemand geeignet wäre unter
​uns Geschwistern zu vermitteln, dann wäre es die jünste. Sie ist die ausgeglichenste unter uns!"
​Diese, kaum das sie angesprochen wurde, trat einen Schrit zurück und verbarg ihr Gesicht in den Händen.
​Tiefe Trauer stand ihr ins Gesicht geschrieben und obwohl ihr etwas auf der Zunge lag,
​so vermochte sie doch nicht, dieser Worte Ausdruck zu verleihen.

​Argument um Argument wurde in den Hallen laut, wer und warum grade er -oder sie- der neue
​Götterfürst werden solle und es dauerte nicht lange, ehe ein handfester Streit entstand.
Aus jenem Streit wurde der Götterkrieg.

​Ein jedes der Götterkinder sammelte seine Unterstützer und der Krieg war gnadenlos.
​Wo das heiße Blut den Boden benetze entstanden Vulkane.
Dort wo die Tränen der Verzweiflung und der Trauer sich sammelten, entstanden die
Ozeane, die die Völker voneinander trennten.

​Der Krieg dauerte eine Ewigkeit und während dessen, war die Schöpfung sich selbst überlassen.
​Es gab keine Jahreszeiten mehr, die Farben waren gewichen und auch Tag und Nacht dauerten nun
ungewisse Zeit an. Mal war ein Tag einen Monat, mal nur wenige Minuten lang.
​In diesem Chaos konnten keine Pflangen wachsen und auch kein Leben gedeihen.
​Die Sterblichen, die in dieses Zeitalter geboren waren, verloren den Glauben an ihre Götter.
​Ihr Zeit im Leben war kurz und voller Qualen. 

​Jedoch von all dem, bemerkten die Götter nichts. 
​Sie waren viel zu sehr mit sich und ihrem Anspruch auf den Thron beschäftigt.
​Die jüngste der Schwestern wurde bei der Schlacht schwer verwundet und verlor einen Flügel.
​Voller Schmerz ließ sie sich in der Welt der Sterblichen nieder und ruhte für einen Moment.
​Während dessen wurde sie der Schöpfung und all dem Leid gewahr.
​Tränen füllten abermal ihre Augen als sie erkannte, dass dies das Werk von ihr
und ihren Geschwister war.

​Sie brach sich ihre Hörner ab und mit ihrem scharfen Krallen entfernte sie den übrig gebliebenen Flügel,
​den sie nun eh nicht mehr brauchen würde.
Zu erst zerdrückte sie ihren Flügel zu Staub, den sie auf den Bergen verteilte.
​Dann nahm sie das hellere ihrer Hörner und zerrieb es. Den Staub verteilte sie im Ozean und an den Stränden.
​Das dunklere der Hörner vergrub sie tief in der Erde.

​Dann schnitt sie sich das wallende Haar ab und verteilte es über der Schöpfung.
​Einem jedem Lebewesen wurde warm, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch keinem der Sterblichen
gewahr wurde, welches Geschenk die Göttin ihnen da gemacht hatte.

​Als der Älteste der Geschwister seine Schwester bei der Schöpfung erblickte, stieg auch er herab und wurde
​Zeuge ihrer Taten. Sie hatte den Sterblichen einen Teil der Macht gegeben, die sonst nur den Göttern
​gegeben war. Die Sterblichen waren in den Besitz der Magie gelangt und diese war nur den Göttern selbst
​vorbehalten, so die Meinung des Ältesten.
​Geschwächt konnte die Jüngste sich ihrem Bruder nicht erwehren, als dieser
sie in die Abgründe der Finsternis verbannte.

​Am Ende war er es, der sich auch gegen seine anderen Geschwister durchsetzte und
​der nächste Götterfürst wurde. Die übrigen 10 schworen ihm die Treue und ein jeder nahm seine
Aufgaben wieder wahr.
​

 

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